wenn man ein mensch ist, dessen stundenplan eigentlich ziemlich cool ist, hat man möglicherweise montags erst um neun uhr fünfzehn schule, und muss deshalb normalerweise erst um sieben uhr dreißig aufstehen. auch ich gehöre zu dieser gruppe von menschen, und auch ich hätte heute dem ausschlafen gefröhnt, wäre da nicht ein gewisses elektronisches schlaggerät auf den weg gekommen, mir mein leben zu drummatisieren.

der schock, um punkt sechs uhr geweckt worden zu sein sitzt derart tief, dass ich quasi total am durchdrehen bin und bereits ein oder zwei traumata davontragen musste. ich überlege, daydrawing aufzugeben und einen blog zu eröffnen, der ausschließlich vom schlagzeug meines bruders handelt, der würde dann daydrumming oder so heißen.

zu erwähnen bleibt noch meines bruders vorliebe für erlesene bongotrommeleinstellungen am trommelteil und sieben-drittel-takte mit stetig variierender geschwindigkeit und lautstärke. phil collins probt ab jetzt in meinem haus. rocknroll.

zum ersten mal seit monaten sehen wir uns mal wieder absichtlich. wir sitzen draußen in der kälte, unterhalten uns spärlich. letzte woche waren wir verabredet, aber ich hatte keine lust. diese woche bin ich erschienen. war aber auch nicht die beste entscheidung, die ich je getroffen habe. ich sah in ihre traurigen, mit lidschatten und müdigkeit umrandeten augen. wenn wir uns grade nicht anschwiegen, wechselten wir nur wenige worte, so als ob es ein peinliches erstes date wäre. mein unmut über die situation wuchs, und als sich durch ihren, wohl in keinster weise ernst gemeinten antwortsatz, “geh doch weg.”, die situation zeigte, nutzte ich sie, nahm meine tasche und ging, ohne sie nochmal anzusehen, zum bus.

stilfrage

hier, so! und nun seid ihr gefragt! sagt mir, wie ich in zukunft rumlaufen soll, denn wählen ist in und kommentieren ist total web2.0.

“vergeude nicht zu viel zeit, du lebst nur einmal.” – so oder so ähnlich kennt diesen spruch wohl jeder. ist ja auch an sich eine schöne idee, jede sekunde zu nutzen und all die dinge zu tun, für die man bis jetzt noch keine zeit hatte, die man aufgeschoben hat. “wir haben noch so viel zeit.” noch ein satz, der sich mit zeit befasst. menschen, die den ersten satz mögen, würden dem zweiten entgegenhalten, alles aufschieben zu wollen. also die zeit zu verschwenden. aber wie legt man eigentlich fest, ab wann zeit wirklich “verschwendet” ist?

“zeit ist verschwendet, wenn man sie nicht nutzt!”, ruft der erste satz und versucht, seine weltverbessernde, romantische position weiter zu verteidigen. ich meine… das mag an sich stimmen, ist aber auch ein stetiger umkehrschluss mit dem ursprungssatz. wir schliessen daraus einfach mal, dass der erste satz nicht besonder helle ist und sich wohl auch nur in irgendeinem zitatebuch gelesen hat.

“komm mit uns, verschwende deine zeit” ist eine positive auslegung des zeitverschwendens. verschwendung aus sicht der anderen. aber es kommt doch ohnehin nicht darauf an, was von ausserhalb gedacht wird. wenn man selbst seine zeit richtig einteilt, dann ist es gut so.

ich erinnere mich noch gut. wie es kalt war, anfang märz. die sonne zeigte sich, doch hatte scheinbar einfach keine lust zu erwärmen. die stadt war immernoch in jacken, schals, handschuhe und mützen gehüllt und die menschen auf der straße waren nur unterwegs zum nächsten warmen ort. in einigen läden hing frühlingsdeko und im radio wurde der frühling angesagt, aber irgendwie glaubte noch niemand wirklich daran.
ich erinnere mich noch gut. wie die natur diese traurigkeit ausstrahlte, doch ich war glücklich. eigentlich seltsam, dass ich das noch weiß, schliesslich hatte ich eigentlich garkeine augen dafür, es gab ja wichtigeres.
ich erinnere mich noch gut. wie wir beim asiaten aßen und der glückskeks mir ein turbulentes jahr voraussagte, und wir darüber lachten, und ich sagte, dass es ihre schuld wäre, so wie sie mein leben auf den kopf stellt. wir aßen relativ häufig dort, weil wir uns irgendwie darauf einigen konnten. es schmeckte uns.
ich erinnere mich noch gut. wie wir die straßen der idiotischen kleinstadt entlangliefen, in die ich gesperrt war. wie wir gingen und uns unterhielten, wie sie mir ihre welt beschrieb und redete. sie redete, und ich hörte zu, einfach weil ich nichts zu erzählen hatte. wie kalt ihr war und wie sie mir sagte, dass unsere klima schrecklich ist. und wie sie dann lachen musste. das lächeln, der mund, die zähne. die lippen.
ich erinnere mich noch gut. wie ich versuchte, nicht jeden tag, sondern jede sekunde zu leben, jedes gefühl aufzufangen und jeden eindruck abzuspeichern. wie ich jeden abend die sekunden nochmal sah. die verdammten sekunden, die zu schnell liefen.
ich erinnere mich noch gut. wie ich mich jeden abend auf den nächsten tag freute und wie ich jeden morgen in die schule wollte, nur um sie zu sehen. wie es wichtigeres als unterricht gab, weil sie neben mir saß, wie ich ihre hand hielt und sie meine, und wie alles andere an wichtigkeit verlor.
ich erinnere mich noch gut. wie alle über sie und mich gesprochen haben, wie sie es für idiotie hielten und wie ich sie hörte, aber keinen grund hatte zuzuhören. es ging mir gut. das war die hauptsache.
ich erinnere mich noch gut. wie der letzte tag kam. wie wir uns noch einmal trafen. wir ich noch einmal zurücksah und den letzten tag genoss. wie ich sie zum bahnhof brachte.
ich erinnere mich noch gut. wie sie einstieg, der zug die türen schloss und ich vom bahnsteig lief, bevor der zug anfuhr. wie ich die trauer unterdrückte. ich sah mich nicht um und nicht zurück. was vorbei ist, ist manchmal einfach wirklich und wahrhaftig vorbei.

bass.

8. September 2009
6 kommentare
Leben

bass_kl

ich habe es wahrlich getan! eine ganze woche war ich arbeiten, um mir geld zu verschaffen. das ergebnis liegt hier vor mir, ein epiphone eb-3 bass in cherry, wie man auf dem foto sicherlich leicht erkennen konnte. ich habe immerhin lediglich drei wochen gebraucht, um ihn endlich in händen halten zu können. eine davon beinhaltete das arbeiten an sich, die beiden anderen waren gefüllt von warten und genervtsein.

grund dafür liegt im quasi nicht vorhandenen lieferwillen von gibson/epiphone. ich bestellte den bass bei dem zweitgrößten (behauptet max zumindest, glaube ich) musikhandel europas, denn auf deren internetseite stand zu dem zeitpunkt “wird am 01.09 nachgeliefert”, und ich dachte, die vier tage kann ich warten. tat ich auch, und bei erneutem nachsehen bei denen hatte sich das datum zum ersten dezember gemorpht. ich rief infolgedessen bei ihnen an, um mich über den grund zu erkundigen und erfuhr von der problematik mit dem geliefere. ich stornierte also den bass und musste warten, bis mein geld wieder da war.

währenddessen durchsuchte ich die weiten des internets nach anbietern, die den eb-3 noch vorrätig hatten, fand einen davon und bookmarkte ihn. am nächsten tag gegen abend/nacht sah ich über internet auf meinem konto nach – das geld war noch nicht wieder da. der bass war aber noch vorrätig. am nächsten tag war das geld da, der bass war weg. es war zum ausrasten.

schliesslich fand ich einen unschuldigen musikkramanbieter im osten der republik, der ihn tatsächlich noch hatte, und ich freute mich so, dass ich ihn direkt bestellte und er jetzt in meinem zimmer steht! wer mir zu füßen liegen will, darf sich gerne anstellen.

kaktuscontent
ihn habe ich schon seit mehreren jahren, und noch immer lebt er. es ist nicht, dass ich ihn pflegen würde, aber ab und zu kippe ich den rest meiner mineralwasserflaschen in ihn hinein und hoffe, dass er es noch ne weile macht. vielleicht ist er auch schon tot und es hat nur noch niemand gemerkt.

schandmaul

stuttgart_burg

dies ist eine burg/schloss/kirche/holzhütte in stuttgart. man kann in der nähe an wasser sitzen und es fotografieren.

feueranfeuerausman muss sich einfach vor augen halten, was diese menschen hier wollen; sie verbieten, feuer zu entfachen, doch verbieten gleichzeitig, feuer zu löschen.

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