ich erinnere mich noch gut. wie es kalt war, anfang märz. die sonne zeigte sich, doch hatte scheinbar einfach keine lust zu erwärmen. die stadt war immernoch in jacken, schals, handschuhe und mützen gehüllt und die menschen auf der straße waren nur unterwegs zum nächsten warmen ort. in einigen läden hing frühlingsdeko und im radio wurde der frühling angesagt, aber irgendwie glaubte noch niemand wirklich daran.
ich erinnere mich noch gut. wie die natur diese traurigkeit ausstrahlte, doch ich war glücklich. eigentlich seltsam, dass ich das noch weiß, schliesslich hatte ich eigentlich garkeine augen dafür, es gab ja wichtigeres.
ich erinnere mich noch gut. wie wir beim asiaten aßen und der glückskeks mir ein turbulentes jahr voraussagte, und wir darüber lachten, und ich sagte, dass es ihre schuld wäre, so wie sie mein leben auf den kopf stellt. wir aßen relativ häufig dort, weil wir uns irgendwie darauf einigen konnten. es schmeckte uns.
ich erinnere mich noch gut. wie wir die straßen der idiotischen kleinstadt entlangliefen, in die ich gesperrt war. wie wir gingen und uns unterhielten, wie sie mir ihre welt beschrieb und redete. sie redete, und ich hörte zu, einfach weil ich nichts zu erzählen hatte. wie kalt ihr war und wie sie mir sagte, dass unsere klima schrecklich ist. und wie sie dann lachen musste. das lächeln, der mund, die zähne. die lippen.
ich erinnere mich noch gut. wie ich versuchte, nicht jeden tag, sondern jede sekunde zu leben, jedes gefühl aufzufangen und jeden eindruck abzuspeichern. wie ich jeden abend die sekunden nochmal sah. die verdammten sekunden, die zu schnell liefen.
ich erinnere mich noch gut. wie ich mich jeden abend auf den nächsten tag freute und wie ich jeden morgen in die schule wollte, nur um sie zu sehen. wie es wichtigeres als unterricht gab, weil sie neben mir saß, wie ich ihre hand hielt und sie meine, und wie alles andere an wichtigkeit verlor.
ich erinnere mich noch gut. wie alle über sie und mich gesprochen haben, wie sie es für idiotie hielten und wie ich sie hörte, aber keinen grund hatte zuzuhören. es ging mir gut. das war die hauptsache.
ich erinnere mich noch gut. wie der letzte tag kam. wie wir uns noch einmal trafen. wir ich noch einmal zurücksah und den letzten tag genoss. wie ich sie zum bahnhof brachte.
ich erinnere mich noch gut. wie sie einstieg, der zug die türen schloss und ich vom bahnsteig lief, bevor der zug anfuhr. wie ich die trauer unterdrückte. ich sah mich nicht um und nicht zurück. was vorbei ist, ist manchmal einfach wirklich und wahrhaftig vorbei.

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